Perplexity AI leitet Nutzergespräche an Google und Meta weiter – auch im Inkognito-Modus
Eine Sammelklage enthüllt: Perplexity AI übermittelt vollständige Konversationen an Google und Meta mittels versteckter Werbe-Tracker. Der Inkognito-Modus schützt nicht – selbst Gesundheitsdaten und Steuerinformationen landen bei Werbenetzwerken.
Angenommen, Sie nutzen Perplexity, um sich über eine medizinische Behandlung zu informieren, Ihre Steuererklärung vorzubereiten oder eine rechtliche Frage zu stellen, die Sie keinem Menschen anvertrauen möchten. Sie gehen davon aus, dass diese Interaktion vertraulich ist. Möglicherweise aktivieren Sie sogar den Inkognito-Modus als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme.
Dennoch werden Ihre Konversationen vollständig an Google und Meta übermittelt.
Dies ergibt sich aus einer am 1. April in den USA eingereichten Sammelklage gegen Perplexity AI, Google und Meta. Die darin enthaltenen Details übertreffen die Brisanz der bloßen Zusammenfassung.
Werbe-Tracker in einer KI-Suchmaschine
Die Klage, eingereicht von einem anonymen Nutzer und gestützt auf technische Analysen, identifiziert mehrere Werbe-Tracker, die direkt in die Perplexity-Suchmaschine integriert sind: das Meta Pixel von Facebook, Google Ads, Google DoubleClick sowie möglicherweise die "Conversions API" von Meta – ein Werkzeug, das speziell zur Umgehung von Tracking-Blockern entwickelt wurde.
Diese Tracker beschränken sich nicht auf die Erfassung von Metadaten. Laut Klageschrift übermitteln sie vollständige Konversationstranskripte an Google und Meta.
Die initialen Prompts werden systematisch weitergegeben. Nachfragen ebenfalls. Für nicht zahlende Nutzer verschärft sich die Situation: Eine URL, die Zugriff auf die gesamte Konversation gewährt, wird an beide Konzerne übermittelt. Jeder, der diese URL besitzt, kann den vollständigen Austausch einsehen.
"Dies betraf jeden Nutzer, unabhängig davon, ob er ein Perplexity-Konto angelegt hatte oder nicht", heißt es in der Klage.
Der Inkognito-Modus bietet keinen Schutz
Dies ist der gravierendste Punkt. Perplexity bietet einen "Inkognito"-Modus an, der Nutzern suggeriert, ihre Suchanfragen seien privat.
Die Klage bezeichnet diesen Modus als "Täuschung". Konversationen werden auf dieselbe Weise übermittelt, begleitet von E-Mail-Adressen und weiteren persönlichen Identifikatoren. Google und Meta können den Nutzer persönlich identifizieren, selbst wenn dieser davon ausgeht, anonym zu agieren.
"Der Inkognito-Modus unternimmt nichts, um die Weitergabe von Konversationen an Meta und Google zu verhindern", so die Zusammenfassung in der Klageschrift.
Perplexity ermutigt zu detaillierten Angaben
Besonders zynisch wirkt die Tatsache, dass Perplexity darauf ausgelegt ist, Nutzer zur Preisgabe sensibler Informationen zu animieren.
Ein in der Klage zitiertes Beispiel: Auf die Frage "Was ist die beste Behandlung für Leberkrebs?" antwortet Perplexity: "Ich kann Ihnen helfen, ein Scan-Ergebnis, eine Biopsie oder einen Behandlungsplan zu interpretieren, wenn Sie weitere Details mitteilen."
Der Nutzer, in dem Glauben an Vertraulichkeit, lädt seine medizinischen Befunde hoch. Diese Daten werden anschließend an Werbenetzwerke weitergegeben. Die Klage merkt an, dass dies zu Werbe-Targeting führen kann, das Nutzer als "überwältigend, verstörend oder in vielen Fällen physisch schädlich" empfinden würden.
Was ist mit der Datenschutzerklärung von Perplexity? Sie ist nicht einmal von der Startseite der Suchmaschine aus zugänglich. Während Google oder Bing sie in der Fußzeile verlinken, fehlt bei Perplexity jeglicher Verweis. Man muss tatsächlich eine Suchmaschine nutzen, um die Datenschutzerklärung einer Suchmaschine zu finden.
Perplexity ist kein Einzelfall
Das Problem beschränkt sich nicht auf Perplexity. Im Jahr 2025 tauchten ChatGPT-Konversationen in Google-Suchergebnissen und in Analytics-Werkzeugen auf. Im Jahr 2026 wurden Gesprächsprotokolle im Rahmen von Urheberrechtsstreitigkeiten an Presseorganisationen weitergegeben.
Das Muster wiederholt sich: Nutzer behandeln KI-Suchmaschinen als vertrauliche Gesprächspartner, während die Betreiberfirmen diese Konversationen als monetarisierbare Assets betrachten.
Der Unterschied bei Perplexity liegt in Umfang und Zynismus: Ein "Inkognito"-Modus, der nichts schützt. Tracker, die gezielt Schutzmaßnahmen umgehen. Und ein Design, das Nutzer aktiv zur Preisgabe medizinischer, finanzieller und rechtlicher Daten auffordert.
Was Sie tun können
Die Sammelklage deckt drei Jahre an Konversationen ab (Dezember 2022 bis Februar 2026) und könnte Millionen von Nutzern betreffen. Die potenziellen Strafen übersteigen 5.000 Dollar pro Verstoß.
Jenseits des Rechtsverfahrens lässt sich jedoch eine einfache Regel ableiten: Behandeln Sie niemals eine KI-Suchmaschine als privaten Raum. Nicht Perplexity, nicht ChatGPT, nicht Claude, nicht Gemini.
Wenn Sie nicht dafür bezahlen würden, dass Google Ads diese Information liest, geben Sie sie nicht in einen Prompt ein.
Der Inkognito-Modus einer KI-Suchmaschine schützt Sie nicht mehr als der Inkognito-Modus von Chrome Sie unsichtbar macht. Der Unterschied: Chrome hat Sie nie gebeten, Ihre medizinischen Befunde hochzuladen.
Quellen:
- Ars Technica, Perplexity's "Incognito Mode" is a "sham," lawsuit says (2. April 2026): https://arstechnica.com/tech-policy/2026/04/perplexitys-incognito-mode-is-a-sham-lawsuit-says/
- Klageschrift Doe v. Perplexity AI Inc. (31. März 2026): https://cdn.arstechnica.net/wp-content/uploads/2026/04/Doe-v-Perplexity-Complaint-3-31-26.pdf
- Insurance Journal, Perplexity AI Machine Accused of Sharing Data With Meta, Google (2. April 2026): https://www.insurancejournal.com/news/national/2026/04/02/864332.htm
Behandelte Themen:
Häufig gestellte Fragen
Gibt Perplexity wirklich meine Gespräche an Google und Meta weiter?
Schützt der Inkognito-Modus von Perplexity meine Daten?
Welche Datenarten sind betroffen?

Alexandre Noto
Mitgründer & Tech-Experte
Alexandre ist seit über 20 Jahren in der Tech-Branche. Unternehmer, Software-Architekt und KI-Enthusiast, übersetzt er komplexe Konzepte in verständliche Erklärungen. Bei Declic Media ist er die technische Stimme, die KI für alle verständlich macht.
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