KI im Unternehmen: 74% des Wertes gehen an 20% der Firmen
PwC hat die KI-Leistungskluft zwischen Unternehmen gemessen: Die besten 20% vereinnahmen drei Viertel des Wertes. Die restlichen 80% investieren ohne Rendite.

74% des Wertes, 20% der Unternehmen
74% des wirtschaftlichen Wertes der KI gehen an 20% der Unternehmen. Die restlichen 80%? Sie investieren, sie starten Pilotprojekte, sie erstellen PowerPoint-Prasentationen mit dem Wort "KI" auf jeder Folie. Und sie ernten nichts.
Die Zahl stammt von PwC, aus einer am 13. April 2026 veroeffentlichten Studie mit 1.217 Fuehrungskraeften aus 25 Branchen. Keine Hochrechnung. Keine Meinungsumfrage. Eine Messung der tatsaechlichen Gewinne (Umsatz und Effizienz), die der KI zugeschrieben werden, verglichen mit den Branchenmedianen.
Das Ergebnis gleicht dem Pareto-Prinzip in seiner extremsten Form: Die Spitzenreiter erzielen 7,2-mal mehr Gewinne als der Durchschnitt. Und 56% der Vorstandsvorsitzenden berichten von keinerlei nennenswerten finanziellen Ertraegen aus ihren KI-Investitionen.
Alle "machen KI". Fast niemand schoepft Wert daraus.
Man koennte meinen, das sei eine Besonderheit der PwC-Studie. Ist es nicht. Vier grosse Beratungsunternehmen veroeffentlichen 2025-2026 uebereinstimmende Ergebnisse:
- Roland Berger (203 Fuehrungskraefte): 90% der Unternehmen berichten von Ertraegen unterhalb ihrer Investitionen. Nur 10% erzielen nennenswerten Mehrwert.
- BCG (1.803 C-Level): 75% der Entscheider zaehlen KI zu ihren Top-3-Prioritaeten, aber nur 25% sehen realen Nutzen.
- McKinsey: 88% der Organisationen nutzen KI, aber nur 6% sind "High Performers" mit messbarem Einfluss auf das Ergebnis.
Es ist wie ein All-you-can-eat-Buffet, bei dem 80% der Gaeste sich den Teller volladen, aber nie zum Essen hinsetzen. Die Aktivitaet ist da. Die Verwertung nicht.
Die Falle des ewigen Pilotprojekts
Das haeufigste Muster ist das Unternehmen, das KI-Piloten startet. Viele Piloten. Dutzende Piloten. Aber keinen einzigen operationalisiert.
PwC identifiziert eine Kennzahl, die vieles erklaert: Die Technologie macht nur 20% des Wertes eines KI-Projekts aus. Die restlichen 80% haengen vom Redesign der Workflows, der Governance und dem Reskilling ab. Anders gesagt: Die KI funktioniert. Es ist der Rest der Organisation, der nicht mitzieht.
BCG ergaenzt ein kontra-intuitives Ergebnis: Die leistungsschwachsten Unternehmen verteilen ihre Anstrengungen auf durchschnittlich 6,1 Anwendungsfaelle. Die Spitzenreiter konzentrieren sich auf 3,5 und erzielen 2,1-mal mehr ROI. Weniger tun, aber im Produktivbetrieb statt im Demomodus.
Das Problem ist nicht der Zugang zur Technologie. ChatGPT, Claude, Gemini: Alle haben zum gleichen Preis Zugang. Der Engpass ist die Faehigkeit, ein Werkzeug in einen operativen Prozess zu verwandeln. Und das liefert kein Abonnement.
Was die oberen 20% anders machen
Unternehmen, die Wert schoepfen, machen nicht "mehr KI". Sie richten sie auf andere Ziele.
Laut PwC ist der wichtigste Differenzierungsfaktor die Branchenkonvergenz: KI nutzen, um in angrenzende Maerkte einzutreten, nicht nur um Bestehendes zu automatisieren. Die Spitzenreiter reinventieren ihr Geschaeftsmodell mit KI 2,6-mal haeufiger, als dass sie nur Kosten senken.
Konkret bedeutet das: Eine Versicherung nutzt ihre Daten und KI, um praeventive Gesundheitsdienste anzubieten. Ein Haendler nutzt seine Logistik-Erkenntnisse, um Supply-Chain-Beratung zu verkaufen. KI ist in diesem Fall kein Produktivitaetswerkzeug. Sie ist ein Expansionshebel.
Der andere Faktor: Spitzenreiter strukturieren ganze Workflows um die KI herum (2-mal wahrscheinlicher laut PwC), statt einen KI-Assistenten auf einen bestehenden Prozess aufzusetzen. Es ist das, was Elon Musk ueber Tesla sagte: "Wir haben ein Auto um Software gebaut, die anderen stecken Software in ihr Auto." Auf KI angewandt, ist es genau die gleiche Kluft.
Und Unternehmen, die eine verantwortungsvolle KI-Governance eingefuehrt haben, erzielen 3-mal haeufiger signifikante finanzielle Ertraege. Internes Vertrauen in das Werkzeug beschleunigt die Adoption. Ohne dieses Vertrauen bleibt jedes Projekt ein "Mal schauen"-Experiment.
Wenn sich die Berater einig sind, wer hinterfragt sie?
Ein Kontextelement verdient Beachtung. Vier Beratungsunternehmen, die Studien veroeffentlichen, wonach "die meisten Unternehmen mit KI scheitern", sind auch vier Beratungsunternehmen, die KI-Begleitung verkaufen. Die Diagnose ist vermutlich richtig. Die implizite Loesung ("beauftragen Sie uns") verdient einen kritischen Blick.
Allerdings: Die Uebereinstimmung der Zahlen bei unterschiedlichen Methoden und Stichproben laesst sich schwer ignorieren. PwC, BCG, McKinsey und Roland Berger kommen nicht zufaellig zum gleichen Ergebnis. Die Kluft ist real, dokumentiert und sie waechst.
PwC formuliert es explizit: Ohne einen Strategiewechsel wird die Kluft zwischen Vorreitern und Nachzueglern weiter wachsen. Die Spitzenreiter lernen schneller, bringen schneller in Produktion, automatisieren Entscheidungen schneller. Die anderen bleiben in der Schleife Pilot-PowerPoint-Budget-Pilot.
Drei Fragen vor Ihrem naechsten KI-Projekt
Wenn Sie in einem Unternehmen arbeiten, das in KI investiert, hier ein Schnelltest nach PwC:
- Produktion oder Pilot? Laufen Ihre KI-Projekte im Produktivbetrieb mit gemessenen KPIs, oder stecken sie im Demostadium fest?
- Kosten oder Wachstum? Zielt die KI darauf ab, bestehende Kosten zu senken, oder etwas Neues zu schaffen (neuer Service, neuer Markt, neues Geschaeftsmodell)?
- Werkzeug oder Transformation? Ist KI ein Werkzeug, das auf bestehende Prozesse aufgesetzt wird, oder wurden die Workflows um sie herum neu gestaltet?
Wenn die Antworten "Pilot", "Kosten" und "Werkzeug" lauten, deutet die PwC-Studie darauf hin, dass Sie zu den 80% gehoeren.
Die gute Nachricht: Es ist kein Budget- oder Technologieproblem. Es ist ein Strategieproblem. Und das laesst sich aendern. Was sich nicht aendern laesst, ist die Zeit, die mit Pilotprojekten verschwendet wurde, die nirgendwohin fuehren.
Behandelte Themen:
Häufig gestellte Fragen
Welchen Anteil des KI-Wertes vereinnahmen die fuehrenden Unternehmen?
Warum scheitern die meisten Unternehmen mit KI?
Wie unterscheiden sich KI-Vorreiter von anderen Unternehmen?
Wie viele Unternehmen erzielen finanzielle Ertraege durch KI?

Alexandre Noto
Mitgründer & Tech-Experte
Alexandre ist seit über 20 Jahren in der Tech-Branche. Unternehmer, Software-Architekt und KI-Enthusiast, übersetzt er komplexe Konzepte in verständliche Erklärungen. Bei Declic Media ist er die technische Stimme, die KI für alle verständlich macht.
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