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KI-Capex: Microsoft gibt mehr aus und behält mehr Cash

5 Min. Lesezeit

Microsoft hat im Quartal mehr investiert als Meta: 35,8 Milliarden gegen 31,1. Und behält 19,6 Milliarden freien Cashflow, Meta 784 Millionen.

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KI-Capex: Microsoft gibt mehr aus und behält mehr Cash

KI-Capex: Microsoft gibt mehr aus und behält mehr Cash

784 Millionen Dollar. So viel freien Cashflow hat Meta im zweiten Quartal 2026 erwirtschaftet, nach 8,5 Milliarden ein Jahr zuvor. Ein Rückgang um 91 Prozent binnen zwölf Monaten.

Die naheliegende Erklärung lautet: Meta gibt mehr für KI aus als die anderen. Sie ist falsch. Im selben Quartal hat Microsoft mehr investiert. Und dem Konzern bleiben trotzdem 19,6 Milliarden.

Zwei Mitteilungen, dasselbe Quartal

Beide Konzerne haben ihre Zahlen am Abend des 29. Juli nach Börsenschluss in New York vorgelegt. Der Kalender spielt dabei ausnahmsweise mit: Das vierte Quartal des Microsoft-Geschäftsjahres und das zweite Quartal von Meta decken exakt denselben Zeitraum ab, die drei Monate bis zum 30. Juni 2026. Für den Vergleich muss nichts umgerechnet werden.

Bei den Infrastrukturausgaben liegt Microsoft mit 35,8 Milliarden Dollar im Quartal vorn, nach 17,1 Milliarden ein Jahr zuvor. Meta investierte 30,1 Milliarden in Sachanlagen, hinzu kommen 962 Millionen Tilgung aus Finanzierungsleasing, macht 31,1 Milliarden.

Beim freien Cashflow laufen die Kurven auseinander. Meta weist die Zahl selbst aus, als abgestimmte Kennzahl in der Mitteilung: 784 Millionen gegenüber 8 549 Millionen im Vorjahresquartal. Microsoft veröffentlicht dagegen keine Free-Cashflow-Zeile. Nach der gängigsten Definition ergeben 55 441 Millionen operativer Cashflow abzüglich 35 802 Millionen Sachanlagen 19,6 Milliarden. Diese Rechnung stammt von der Redaktion, nicht vom Unternehmen. Sie ist bewusst so offengelegt, dass jeder sie nachrechnen kann.

Fünfundzwanzigmal mehr freier Cashflow, bei 4,7 Milliarden Dollar höheren Ausgaben.

Entscheidend ist, wem man die Rechnung stellt

Microsoft baut Rechenzentren und verkauft den Zugang dazu weiter. Jeder Dollar Beton und Prozessor wird zu Kapazität, die an Kunden vermietet wird, die unterschreiben. Wie viel bereits unterschrieben ist, steht in der Mitteilung: Der vertraglich gebundene kommerzielle Auftragsbestand erreicht 678 Milliarden Dollar, ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist Geld, zu dessen Zahlung sich Kunden verpflichtet haben.

Meta baut ebenfalls Rechenzentren, füllt sie aber mit den eigenen Modellen. Die Kapazität sortiert Inhalte auf Facebook und Instagram, steuert Werbung aus, betreibt die hauseigenen Assistenten. Sie erzeugt Wert, aber keine Rechnung: Am Ende der Leitung sitzt kein Kunde, dort sitzt Meta.

Zwei Bauträger errichten dasselbe Gebäude in derselben Straße, zum selben Preis. Der eine hat Mietverträge unterschrieben, bevor der erste Stein liegt. Der andere zieht mit den eigenen Büros ein. Nach einem Jahr haben beide gleich viel ausgegeben, und nur einer kassiert Miete.

Das Quartal, in dem die KI auf Kredit lief

Das aufschlussreichste Detail der Meta-Mitteilung steht nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern in der Kapitalflussrechnung. Allein in diesem Quartal hat der Konzern netto 24,9 Milliarden Dollar an langfristigen Schulden aufgenommen. Ein Jahr zuvor stand in derselben Zeile eine Null.

Die langfristigen Verbindlichkeiten summieren sich zum 30. Juni auf 83,66 Milliarden Dollar, denen 90,26 Milliarden an liquiden Mitteln und marktgängigen Wertpapieren gegenüberstehen. Die Solvenz steht nicht zur Debatte, der Systemwechsel schon: Der KI-Capex wandert von der Innenfinanzierung in die Fremdfinanzierung.

Dieselbe Verschiebung war eine Ebene tiefer in der Wertschöpfungskette bereits zu beobachten, als Nebius 775 Millionen Dollar gegen die Verpfändung eigener GPUs aufnahm. Was sich bei einem mittelgroßen Betreiber abspielte, steht nun in den Büchern eines Konzerns mit 60,8 Milliarden Dollar Quartalsumsatz. Ein Kreditrahmen bleibt ein Kreditrahmen, ob er bei tausend Euro liegt oder bei fünfundzwanzig Milliarden.

Passend dazu hat Meta seine Investitionsprognose für 2026 von unten angehoben, von 125 bis 145 auf 130 bis 145 Milliarden Dollar, Finanzierungsleasing eingerechnet. Der Boden steigt, die Decke nicht.

Was Microsoft nicht in den Vordergrund stellt

Zwei Einschränkungen, sonst wird aus dem Kontrast eine Moralgeschichte.

Erstens: Auch bei Microsoft sinkt der freie Cashflow. 19,6 Milliarden in diesem Quartal, nach 25,6 Milliarden im Vorjahr, ein Minus von 23 Prozent. Der KI-Capex belastet beide Unternehmen. Der Unterschied liegt in der Größenordnung, nicht in der Art.

Zweitens, und das ist der lehrreichere Punkt: Microsoft meldet einen um 32 Prozent gestiegenen verwässerten Gewinn je Aktie. Dieselbe Mitteilung hält fest, dass es bereinigt um die Effekte der OpenAI-Beteiligung nur 23 Prozent sind. Neun Prozentpunkte Wachstum stammen also aus der Art, wie Microsoft seine KI-Wetten bilanziert, und nicht aus dem Verkauf von KI.

Hinzu kommt ein Bewertungsgewinn von 3,2 Milliarden Dollar auf die Beteiligung an Anthropic. Er steht unterhalb des Betriebsergebnisses, im sonstigen Finanzergebnis, und berührt damit weder Umsatz noch operative Marge. Er erklärt einen guten Teil der Differenz zwischen den Quartalszahlen und der Prognose, die der Konzern im April abgegeben hatte.

Nichts davon ist unzulässig oder verschleiert. Es steht ausbuchstabiert in der Mitteilung, und Microsoft liefert die bereinigte Rechnung gleich mit. Wer nun liest, dass sich die KI bei Microsoft endlich auszahlt, sollte allerdings wissen, dass ein Teil des Beweises aus einer Neubewertung von Beteiligungen besteht.

Was auf beiden Seiten richtig bleibt

Azure ist im Quartal um 43 Prozent gewachsen und hat im Geschäftsjahr erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz überschritten. Microsoft 365 Copilot zählt mehr als 30 Millionen zahlende Plätze. Das ist operative Leistung, und sie ist gewaltig.

Und Meta ist deshalb noch lange kein Konzern in Schwierigkeiten. Der Umsatz legt um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden Dollar zu, unter dem Strich bleiben 15,8 Milliarden Nettogewinn, die operative Marge hält bei 31 Prozent. Vor einem Jahr waren es 43 Prozent, und genau diese Kompression ist das, was eine Investition dieser Größenordnung erzeugt, solange ihr noch kein fakturierbarer Gegenwert gegenübersteht.

"AI is accelerating our core business today", sagte Mark Zuckerberg bei der Vorlage der Zahlen. Das stimmt vermutlich sogar: Die KI beschleunigt das Kerngeschäft. Nur sind das Beschleunigen des eigenen Kerngeschäfts und das Weiterreichen der Rechnung an jemand anderen zwei verschiedene Übungen. Und nur eine davon lässt sich in einer Kapitalflussrechnung ablesen.

Behandelte Themen:

WirtschaftMicrosoftMeta

Häufig gestellte Fragen

Warum ist der freie Cashflow von Meta um 91 Prozent eingebrochen?
Meta erwirtschaftete im zweiten Quartal 2026 784 Millionen Dollar freien Cashflow, ein Jahr zuvor waren es 8,55 Milliarden. Ursache sind die Investitionen in die KI-Infrastruktur: 30,1 Milliarden Dollar Sachanlagen im Quartal gegenüber 16,5 Milliarden im Vorjahr. Meta weist die Kennzahl selbst als abgestimmte Non-GAAP-Größe aus.
Hat Microsoft im Quartal mehr oder weniger für KI ausgegeben als Meta?
Mehr. Microsoft investierte in den drei Monaten bis zum 30. Juni 2026 35,8 Milliarden Dollar in Sachanlagen, Meta kam auf 31,1 Milliarden (30,1 Milliarden Sachanlagen plus 962 Millionen Tilgung aus Finanzierungsleasing). Die Höhe der Ausgaben erklärt den Unterschied beim Cashflow also nicht.
Sinkt der freie Cashflow von Microsoft ebenfalls?
Ja. Er fällt binnen eines Jahres von rund 25,6 auf 19,6 Milliarden Dollar, ein Minus von 23 Prozent. Microsoft weist keine eigene Free-Cashflow-Zeile aus: Der Betrag ist eine Berechnung der Redaktion, 55 441 Millionen operativer Cashflow abzüglich 35 802 Millionen Sachanlagen. Der KI-Capex belastet beide Konzerne.
Was ist der Auftragsbestand von 678 Milliarden Dollar?
Es handelt sich um die commercial remaining performance obligation von Microsoft, ein Plus von 84 Prozent binnen eines Jahres. Sie misst Umsätze, zu deren Zahlung sich Kunden vertraglich verpflichtet haben, die aber noch nicht fakturiert sind. Sie belegt, dass am Ende der gebauten Kapazität ein zahlender Kunde steht.
Zählt der Bewertungsgewinn von 3,2 Milliarden auf Anthropic zum operativen Ergebnis von Microsoft?
Nein. Er steht in der Zeile Other income (expense), net und damit unterhalb des Betriebsergebnisses. Er berührt weder Umsatz noch operative Marge. Microsoft veröffentlicht zudem eine um die Effekte der OpenAI-Beteiligung bereinigte Rechnung: ohne diese Effekte wächst der Gewinn je Aktie nicht um 32, sondern um 23 Prozent.
Alexandre Noto

Alexandre Noto

Mitgründer & Tech-Experte

Alexandre ist seit über 20 Jahren in der Tech-Branche. Unternehmer, Software-Architekt und KI-Enthusiast, übersetzt er komplexe Konzepte in verständliche Erklärungen. Bei Declic Media ist er die technische Stimme, die KI für alle verständlich macht.

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