Schon wieder ein fehlerhafter Bericht von Deloitte
Dabei hatte die Beratungsfirma zugesagt, alles gründlich zu prüfen, was die KI angefasst hat.

514 plus 145 ergibt 399
Seite 83, im Anhang, eine Kostentabelle. Erste Zeile: was die Fusion zweier Universitäten kosten würde, noch bevor sie am ersten Tag angekommen ist, 514 Millionen australische Dollar. Zweite Zeile: die folgenden fünf Jahre, 145 Millionen. Letzte Zeile, die Summe: 399 Millionen.
Eine weitere Auffälligkeit sieht man ohne Taschenrechner. Die Tabelle vergleicht drei Kostenszenarien: „niedrig“, „mittel“ und „hoch“. Mit dieser Addition wird das hohe Szenario zum günstigsten der drei.
Die Tabelle steht in einem Bericht von Deloitte für die Regierung von Westaustralien, der laut Guardian 166.000 australische Dollar gekostet hat. Gegenüber dem Guardian zeigte sich die Regierung „äußerst enttäuscht“ und forderte die Beratungsfirma schriftlich auf, die Rückerstattung zu beschleunigen.
Neu ist das nicht: Schon 2025 musste Deloitte einen Teil des Honorars für einen Bericht an die australische Bundesregierung zurückzahlen, wegen zweifelhafter Quellenangaben.
Ein Bericht zur Fusion von drei Universitäten
Westaustralien erwägt, drei seiner staatlichen Universitäten zusammenzulegen: die University of Western Australia (UWA), Curtin und Murdoch. Der Deloitte-Bericht, eine „schnelle Kosten-Nutzen-Analyse“ von 219 Seiten, trägt das Datum 26. November 2025. Die Regierung machte ihn am 11. Oktober 2026 gemeinsam mit zwei weiteren Studien öffentlich, um das Vorhaben weiter voranzubringen.
Drei Tage später, am 14. Oktober, meldete die Australian Financial Review zweifelhafte Quellenangaben. Laut Times Higher Education, das über die Recherche berichtet, geht es um drei Zitate, die offenbar den falschen Autoren zugeschrieben sind, zwei Quellen, die nicht das sagen, was der Bericht ihnen zuschreibt, und einen Link auf einen themenfremden Artikel. Deloitte antwortet, es handle sich um geringfügige Fehler bei den Quellenangaben ohne Einfluss auf die Schlussfolgerungen.
Am 26. Oktober veröffentlichte der Guardian die beiden Additionen. Die von Seite 83, um 260 Millionen daneben. Und eine zweite im niedrigen Szenario einer Fusion zu dritt: 396 plus 116, also 512 Millionen, steht dort als 823. Das sind 311 Millionen australische Dollar Abweichung. Hochschulminister Tony Buti sprach zunächst von Flüchtigkeitsfehlern und zeigte sich am nächsten Tag laut der Zeitung wütend.
Wir haben nachgerechnet
Der Bericht steht auf der Website der Regierung. Wir haben Anhang D durchgesehen, der die Kosten der drei Fusionsvarianten in jeweils drei Szenarien aufschlüsselt: insgesamt neun Summen.
Die beiden Fehler aus dem Guardian sind da. Dazu kommt ein dritter, kleinerer, den der Artikel nicht erwähnt: Im mittleren Szenario der Fusion von Curtin und UWA ergeben 421 plus 122 die Summe 543, in der Tabelle steht 533. Zehn Millionen australische Dollar Differenz. Die übrigen sechs Summen stimmen, die Zwischensummen ebenfalls. Nur die letzte Zeile gerät aus dem Takt.
Die Fehler bleiben nicht in ihrer Zeile: Direkt darunter geht der Nettowert der erwarteten Einsparungen von den falschen Summen aus und ist damit ebenfalls falsch.
Was das für die Schlussfolgerungen bedeutet, lässt sich nicht sagen. Die Zahlen, die der Bericht hervorhebt (175, 450 und 522 Millionen australische Dollar, je nach Fusionsvariante), sind Barwerte und nicht die Summen aus dem Anhang. Den Zusammenhang zwischen beiden konnten wir nicht nachvollziehen. Die Regierung versichert gegenüber dem Guardian, die Fehler wirkten sich weder auf die Modellierung noch auf die Schlussfolgerungen aus, und Deloitte werde einen korrigierten Bericht neu herausgeben.
Geht die falsche Rechnung auf die KI zurück?
Das lässt sich nicht beantworten. Der Guardian stellt die zweifelhaften Quellenangaben, die falschen Additionen und den KI-Einsatz bei Deloitte nebeneinander, ohne einen Zusammenhang zu belegen. Eine falsche Summe in einer Tabellenkalkulation entsteht leicht von Hand: Es genügt eine eingetippte Zahl statt einer Formel.
Der Bericht selbst sagt, was die KI getan hat. Abschnitt 4.8 erklärt, generative KI sei zum Zusammentragen der Unterlagen, zum Verdichten von Informationen und zum Gegenlesen des Textes eingesetzt worden. Ausdrücklich heißt es dort, keine KI-Ausgabe, weder Modellierung noch Texterstellung, sei für den Bericht verwendet worden. Und alles, was KI-gestützt entstand, habe eine vollständige Qualitätsprüfung durch Deloitte-Fachleute durchlaufen.
Im Quellenverzeichnis trägt ein Link auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation den Zusatz utm_source=chatgpt.com: Er wurde aus ChatGPT kopiert. Der Guardian hatte das bemerkt, wir haben es in der Datei wiedergefunden. Das passt zur erklärten Nutzung und sagt nichts über die Additionen.
Derselbe Bericht schreibt 55-mal „Curtin University of Technology“, einen Namen, den die Universität laut Guardian seit 2010 nicht mehr führt, und sechs Zwischenüberschriften tragen den Tippfehler „UNIVERISTY“. Nichts Schlimmes, aber genau solche Dinge fängt ein Gegenlesen ab. Dieses hat sie übersehen.
Fast ein Jahr beim Auftraggeber
Ende November 2025 übergeben und im Oktober 2026 veröffentlicht, lag der Bericht fast ein Jahr bei der Regierung, die ihn bestellt hatte. In einem Dokument, das die Fusion dreier Universitäten klären soll, blieb die letzte Zeile einer Kostentabelle falsch: Weder die Beratung vor der Übergabe noch der Auftraggeber danach hat sie korrigiert.
Eine Unternehmensberatung verkauft die Zeit von Experten, und ein Teil dieser Zeit ist das Prüfen. Ein Bericht, der von sich sagt, er sei vollständig durchgesehen worden, ist wie eine Rechnung mit dem Stempel „sachlich und rechnerisch richtig“: Der Stempel zählt nur, wenn jemand nachgerechnet hat. Hier stehen der Satz zur Qualitätsprüfung und der Anhang, der ihm widerspricht, in derselben Datei.
Das zweite Mal binnen eines Jahres
Deloitte kennt diese Abfolge bereits. 2025 hatte die Firma dem australischen Bundesministerium für Beschäftigung und Arbeitsbeziehungen eine Überprüfung jenes Systems vorgelegt, das Sanktionen gegen Leistungsbeziehende automatisiert, bei einem Auftragswert von rund 440.000 australischen Dollar. Christopher Rudge, Forscher an der Universität Sydney, hatte darin nicht existierende Quellen entdeckt, die die Australian Financial Review im August öffentlich machte.
Die korrigierte Fassung vom Oktober 2025 nannte im Anhang eine auf GPT-4o beruhende Werkzeugkette, ohne dass Deloitte die Fehler der KI zugeschrieben hätte. Die Firma sagte zu, die letzte Rate des Auftrags zurückzuzahlen. Bei einer Senatsanhörung am 8. Oktober 2025 bezifferte das Finanzministerium die Rückzahlung auf 97.587 australische Dollar, so berichtet es die Presse in Canberra, und räumte ein, von den Fehlern aus den Zeitungen erfahren zu haben.
Die beiden Fälle gleichen sich in einem Punkt, der mit Technik nichts zu tun hat. Weder die Beratung noch der Auftraggeber findet die Fehler. Sie kommen von außen: 2025 von einem Wissenschaftler, 2026 von der Presse.
Was der Auftraggeber bezahlt
Christian Downie, Governance-Forscher an der Australian National University, sagte dem Guardian: Bei wachsendem KI-Einsatz müssten Regierungen ihre Verträge mit Beratungsfirmen überarbeiten, mit den richtigen Anreizen und den richtigen Sanktionen. Er fordert außerdem, genau zu erfahren, in welchen Arbeitsschritten KI zum Einsatz kommt.
Vielleicht liegt hier die eigentliche Verschiebung. Dass KI Fehler macht, weiß man. Neu ist, dass sie Beratern wie Auftraggebern das Gefühl gibt, ein Teil der Arbeit erledige sich von selbst, auch das Prüfen. Für 166.000 australische Dollar, so der Guardian, bekam Westaustralien einen Bericht, der angibt, vollständig gegengelesen worden zu sein. Seine falschen Additionen blieben stehen, bis die Presse sie veröffentlichte.
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Häufig gestellte Fragen
Welche Fehler enthält der Deloitte-Bericht zur Fusion der Universitäten?
Ist die KI für die falschen Additionen verantwortlich?
Ändern diese Fehler die Schlussfolgerungen des Berichts?
Was wurde an den Quellenangaben des Berichts beanstandet?
Warum heißt es, Deloitte habe schon wieder einen fehlerhaften Bericht abgeliefert?

Julien-Pierre Noto
Unternehmer & Stimme aus der Praxis
Julien-Pierre ist Unternehmer mit über zwanzig Jahren Praxiserfahrung in Bau und Immobilien. Seit drei Jahren arbeitet er täglich mit KI in einem KMU — nicht im Labor: an echten Fällen, mit echten Kunden. Als Gründer von ONDE AI R&D, einem angewandten Forschungslabor zur Mensch-KI-Arbeit, veröffentlicht er seine Methoden als Open Source — was funktioniert und was nicht. Bei Declic Media ist er die Stimme aus der Praxis: angewandte KI, die ihren Nutzen beweisen muss.
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